Diskussion:MediumBuchPodium

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Bücher wird es meiner Ansicht nach immer geben, auch wenn uns unverbesserliche Technokraten immer wieder sagen, dass es in Zukunft nur noch elektronische Publikationen geben wird. Vor wenigen Wochen hat beispielsweise Jeff Bezos, der Chef von Amazon.com sein neustes Spielzeug vorgestellt. Mit diesem soll man sich Unmengen von Büchern auf diesen mobilen Computer laden können, womit das gedruckte Buch am Ende wäre. Doch wer will einen, mittlerweile doch recht handlichen, Metallkasten mit sich herumtragen? Ich sicher nicht. Blättern kann man in solch einem Gerät auch nicht. Das Schmökern in einem Buch geht somit auch verloren. Man kauft sich dann nur noch genau die Bücher die man will oder braucht. Der Gang in die Buchhandlung wird hinfällig, wodurch man nicht per Zufall auf ein neues, spannendes Buch trifft, das man eigentlich gar nicht kaufen wollte, geschweige denn kannte. Aus all diesen Gründen wird es Bücher immer geben. Vielleicht erlangen solche Buchcomputer irgendwann ihre Berechtigung. Im Moment, ist das gedruckte Buch aber immer noch eine Stufe über dem Lesecomputer. Zu erwähnen ist auch die Tatsache, dass das Buch ein Objekt ist, das man in die Tasche packen kann, im Bus aufschlagen, ein paar Seiten lesen und anschliessend wieder zurück in die Tasche tun kann. Man kann es mit unter einen Baum nehmen, sich darin für Stunden verlieren, sich in eine andere Welt begeben (je nach Genre und Interesse). Kurz: das Buch ist nebst dem, dass es Wissen beinhaltet auch ein Objekt, das Phantasie und Kreativität vermittelt und dient unter anderem auch der Entspannung. Eine Entspannung, die nicht dem Film, der Musik, etc.… gleichkommt.

Nicht nur auf Ästhetik und auf Empfindung hinweisende Aspekte, sondern vor allem die Möglichkeit der Speicherung wird dem Buch das Überleben sichern. Vergleichen wir das »alte Medium« Buch mit einem bereits nicht mehr ganz »neuen Medium« der CD, so erkennen wir die Langlebigkeit (mehrere hundert Jahre oder gar Jahrtausende) des erstgenannten Mediums gegenüber der kurzen Überlebens-Chance des zweitgenannten (zwischen 5-10 Jahre). Diese Tatsache wird das Buch – auch wenn es in der Praxis in neuem Sinne genutzt wird (nach Hannes Hug) – auch für die Zukunft überleben lassen.


Ein anderer Aspekt, der mir während des Podiums auffiel, war die Diskussion über das "alte" Medium Buch im Gegensatz zu den so genannten "neuen" Medien. Wie kann ein Medium als alt bezeichnet werden, wenn es heutzutage brandaktuell in den Medien diskutiert wird (Buchpreisbindung). Das Medium Buch ist alt, aber im Sinne von 5000 Jahren, wohingegen die neuen Medien, weniger als neu, sondern eher als "junge Medien" bezeichnet werden sollten. Wenn alt mit neu in einem Satz gebraucht wird, erhält es die Konnotation des Vergangenen, Hinterlassenen. In diesem Sinne kann man von einem Gramophonplattenspieler als einem alten Medium sprechen (wobei auch dieser sicherlich wieder seine Auferstehung feiern wird (früher oder später und sei es nur als "Kulturgut", wenn er das nicht schon ist)).


Die Podiumsdiskussion war in meinen Augen ein würdiger Abschluss dieser Veranstaltung. Es war noch einmal spannend, Meinungen von Personen zu erfahren, die direkt am Buch arbeiten, auch oder gerade weil wir durch die Übung die angesprochenen Aspekte kannten. Besonders zum Überlegen angeregt haben mich die Bedenken die Dr. Uwe Jochum gegen Schluss geäussert hat, dass es unbedingt zu vermeiden ist, das Buch durch andere Medien zu ersetzen, respektive komplett zu digitalisieren, damit wir selber aussuchen können was wir lesen wollen und nicht ein Gerät, das auch irgedwann nicht mehr funtionieren kann, unsere Lese-Aktivitäten überwacht oder gar lenkt. Dieser Verlust des freien Zugangs zum Buche würde einer Einschränkung der eigenen Freiheit und Kultur gleichkommen, wie auch oben schon angesprochen wurde.