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KARGER Verlagshaus Basel

Karger-logo.jpg

Fakten

  • Gründung 1890 in Berlin
  • Medizinische Fachliteratur als Hauptgeschäft
  • Aktuell über 200 Angestellte in Basel
  • Weltweite Zweigstellen und Verteilzentren
  • Produziert jährlich an die 80 wissenschaftliche Zeitschriften und 150 Buchtitel


Kurze Geschichte

Das Karger Verlagshaus wurde 1890 von Samuel Karger, geboren 1863 in Polen, in Berlin als Familienbetrieb gegründet mit dem Ziel, sich ausschliesslich der Medizin und der Wissenschaft zu widmen. Er selbst machte den Anfang, medizinische Fachliteratur zu schreiben und in seinem Verlag herauszugeben – bereits im Gründungsjahr erschien seine erste Publikation: ein „Geburtshülfliches Vademecum für Studierende und Aerzte“. Was Samuel Karger ebenfalls als einer der Ersten erkannte, war die Notwendigkeit von spezialisierten Zeitschriften. Die „Dermatologische Zeitschrift“ (heute „Dermatology“) wurde bereits 1893 ins Leben gerufen, wodurch das Unternehmen in der Fachwelt bald ein Begriff war, und Kontakte mit Wissenschaftlern wie Herman Oppenheim und Sigmund Freud zustande kamen.

Nach dem Tod Samuel Kargers 1935 übernahm dessen Sohn Heinz (1895-1959) das Geschäft. Der Verlag fasste mittlerweile bereits an die 850 Publikationen in deutscher Sprache. Durch den zunehmenden politischen Druck im damaligen Nazi-Deutschland, sah er sich 1937 gezwungen, das Verlagshaus nach Basel zu verlegen, wo es heute noch ansässig ist, verlor dadurch aber alle seine deutschen Autoren. In Basel ansässig hörte Heinz Karger trotz des Nazi-Regimes nicht auf zu publizieren, in der Zuversicht, dass dieses Regime nicht dauerhaft sei und nach dessen Ende die Literatur seine wichtige Stellung in der Gesellschaft wieder einnehme. Heinz Karger richtete in der Folge sein Unternehmen auf den gesamteuropäischen Markt aus – die meisten Zeitschriften erhielten einen lateinischen Namen und publiziert wurde fortan nicht mehr bloss in Deutsch, sondern auch in Englisch, Französisch und Italienisch.

Nach Heinz Kargers Tod im Jahr 1959 setzte sein Sohn Thomas Karger das Unternehmen fort. Auf ihn geht die Entscheidung zurück, Englisch zur Hauptsprache in allen Karger-Publikationen zu machen, womit der Weg für eine internationale Expansion geebnet wurde. Thomas Karger gründete 1960 schliesslich die Karger Libri AG und der Verlag fasste mittlerweile an die 1200 Titel. 1980 gab es den ersten Verlagsneubau, der bereits 8 Jahre später, 1988, von einem zweiten Anbau ergänzt wurde. Beim hundertjährigen Jubiläum des Verlags im Jahre 1900, brachte er bereits ca. 5000 englischsprachige Publikationen heraus. Heute wird der Karger Verlag in der vierten Generation von Steven Karger geführt.

Quelle: http://content.karger.com/company/history.asp Weitere Informationen: http://www.karger.com/


Logo

Das Karger Verlagshauss präsentierte während seiner ganzen Geschichte prominent Asklepios in seinem Logo, den antiken Gott der Heilkunst (der Asklepiosstab, um den sich Asklepios in Schlangengestalt windet, ist heute noch Symbol für die Heilkunde). 1989 musste er jedoch neuen graphischen Ideen weichen, und "versteckt sich seither im roten Punkt des Logos" (O-Ton Gabi Karger).



== Verlagsgeschichte == (Ein Beitrag von Palmeraie und Nerys)

Der Karger Verlag wurde 1890 als Familienbetrieb in Berlin von Samuel Karger gegründet. Er wollte einen Verlag ins Leben rufen, der sich ganz der Medizin und der Wissenschaft widmet. Das erste Werk, das der Verlag herausgab, war ein Kompendium für Geburtshilfe: "Geburtshülfliches Vademecum für Studirende und Aerzte", welches ein grosser Erfolg wurde.

Samuel Karger erkannte als einer der ersten Verleger, dass ein grosser Bedarf nach Fachzeitschriften bestand. Daher lancierte er 1893 die "Dermatologische Zeitschrift", ein Periodikum, welches noch heute unter dem Namen "Dermatology" erscheint. Der Verlag genoss bald einen exzellenten Ruf und publizierte die Werke von so renommierten Wissenschaftlern wie Herman Oppenheim und Sigmund Freud. Bis 1930 waren schon mehr als 850 Titel im Karger Verlag erschienen. Nach dem Tod Samuel Kargers übernahm sein Sohn, Heinz Karger, 1935 die Leitung des Verlags.

Als jüdisches Familienunternehmen geriet der Karger Verlag in Deutschland mehr und mehr unter Druck. Die Gestapo verbot Heinz Karger Titel von jüdischen Autoren zu verlegen. In Folge dieser Ereignisse entschied dieser sich 1937, das Unternehmen nach Basel umzusiedeln. Es wurden nun nicht mehr nur Werke in deutscher Sprache publiziert, sondern auch in Lateinisch, Französisch, Englisch und Italienisch.

Während des 2. Weltkrieges druckte der Karger Verlag weiterhin Bücher, obwohl deren Vertrieb fast unmöglich geworden war. Die Nachkriegsjahre waren geprägt von grossem Wachstum im medizinischen Bereich, das sich auch in den Publikationszahlen des Karger Verlags niederschlug.

Nach dem plötzlichen Tod Heinz Kargers im Jahre 1959 übernahm sein Sohn Thomas Karger das Unternehmen. Unter seiner Leitung wurde Englisch zur vorherrschenden Publikationssprache des Verlags, was auch eine Umbenennung der meisten Titel zur Folge hatte. Unter Thomas Karger expandierte das Unternehmen und es wurden weltweit Vertriebszentren eingerichtet.

1960 wurde Karger Libri, eine wissenschaftliche Buchhandlung und Zeitschriften-Agentur, gegründet. Steven Karger wurde der Nachfolger seines Vaters als CEO des Familienunternehmens.

Heute zählt der Verlag in seinem Basler Hauptsitz rund 200 Angestellte und gibt fast 80 wissenschaftliche Zeitschriften und rund 150 Buchtitel pro Jahr, die meisten davon in englischer Sprache, heraus. Alle Zeitschriften und die meisten Bücher sind auch in elektronischer Form erhältlich.


Ein Atlas des Gehirns

Ende des 19. / anfangs des 20. Jahrhunderts gab es verschiedene Versuche, das Hirn zu kartographieren. Unter anderem nahm sich Konstantin von Economo mit Hilfe seines Asstistenten dieser Aufgabe an. Sie stellten Karten von 40x40mm her, die anschliessend auf das 10 fache vergrössert wurden. Diese 120 1m2 grossen Tafeln wurden in einer Kassette aufbewahrt. Ursprünglich gab es eine Auflage von 100 Stück, wobei heute nur noch etwa 50-60 dieser Kassetten existieren und einen Sammlerwert von 10'000 CHF haben.

Der Karger Verlag hat sich zum Ziel gesetzt, diese Sammlung in Buchform zu veröffentlichen. Wie aber wird ein solches Vorhaben ausgeführt? Bevor konkrete Schritte eingeleitet werden, muss zuerst abgeklärt werden, inwiefern überhaupt ein Bedarf vorhanden ist, d.h. ob die Nachfrage nach so einem Werk gross genug ist. Dafür setzt sich der Project Manager mit verschieden Wissenschaftlern in Verbindung. Sollte die Nachfrage vorhanden sein, muss abgeklärt werden in welcher Form die Tafeln publiziert werden: weiterhin in Kassetten oder neu in Buchform? Schliesslich entschied sich der Verlag, ein Buch herauszubringen. Daran schlossen sich sogleich neue Fragen an: Welche Papierform wählen? Welche Papierqualität? Die Tafeln 1:1 übernehmen oder doch verkleinern? Wer kann solche Tafeln überhaupt scannen? Wie soll das Buch gebunden werden? Soll der Text weiterhin in Latein oder doch eher in Englisch gedruckt werden?

Doch auch mit der Fertigstellung des Buches ist die Arbeit längst nicht beendet, denn nun muss das Buch an den "Mann" gebracht werden. In unserem Fall entschied man sich für Werbung mittels einem Prospekt, einer CD-Rom und einer eigens für das Buch konzipierten Hompage. Es wird auch an spezifischen Kongressen mit und für das Buch geworben, je nachdem sogar mit einem eigenen Stand.

Von der Idee bis zum Verkauf dauerte das Projekt in diesem Fall ca. 1 Jahr und 5 Monate, was für so ein Projekt eine sehr kurze Dauer ist. Dies ist hauptsächlich der guten Vorbereitung des Ideen-Spenders zu verdanken. Da er sehr konkrete Ideen und Vorstellungen hatte, konnte das Projekt schnell umgesetzt werden. Normalerweise kann der Prozess sich über 3-4 Jahre hinziehen.

(Ich bitte um Korrektur des Artikels, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich alle Fakten richtig habe. Dies betrifft v.a. die Tafeln und deren Ausgabe: kursiv)


Quellen:

http://www.agmb.org/96/karger1.htm http://content.karger.com/company/SKD_1.asp#02 http://content.karger.com/company/history.asp


Das wissenschaftliche Publizieren

Der Besuch beim medizinisch-wissenschaftlichen Verlag KARGER bot außerdem einen interessanten Einblick in die eigene Welt des wissenschaftlichen Publizierens und Verlegens. Wie bei jedem Verleger stellt sich grundsätzlich die Frage vor jeder Publikation, ob für eine mögliche Veröffentlichung ein Bedarf da ist - eine Frage, die immer ein unternehmerisches Risiko in sich birgt. Die Entscheidung, ob ein Projekt in Angriff genommen wird, trifft der wissenschaftliche Verlag durch die Nachfrage und Beurteilung durch Fachwissenschaftler.

Das Peer-Review-Verfahren

Dazu wurde das sogenannte Peer-Review-Verfahren entwickelt: Ein Verfahren zur Beurteilung von wissenschaftlichen Arbeiten im Wissenschaftsbetrieb durch unabhängige Gutachter, die sogenannten "peers" (=Ebenbürtige, Gleichberechtigte) zur Qualitätssicherung. Dabei stehen verschiedene Möglichkeiten, das Review-Verfahren zu organisieren, zur Verfügung: Entweder, die Prüfer wissen, wessen Arbeit sie überprüfen und ebenso der Autor weiss, durch wen er begutachtet wird ("offenes Verfahren") oder nur die Gutachter kennen den Autor ("blind-Verfahren") oder das Verfahren wird völlig anonymisiert ("double-blind-Verfahren"). Durch letztere Verfahren soll die Unabhängigkeit und freie Urteilskraft der Gutachter gewährleistet werden. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die z. B. die manchmal langwierige und zeitaufwendige Prozedur des Verfahrens bemängeln oder befürchten, dass neue Forschungsansätze von den alteingesessenen und dominanten Experten eines wissenschaftlichen Fachgebiets nicht zugelassen und damit im peer-review-Verfahren schlichtweg negativ bewertet werden könnten.

Der Impact-Factor

Wichtig beim akademisch-wissenschaftlichen Publizieren ist außerdem der sogenannte Impact-factor: Der Impact-Factor einer Fachzeitschrift misst, wie oft andere Zeitschriften einen Artikel aus dieser Zeitschrift in Relation zur Gesamtzahl der dort erschienenen Artikel zitieren. So soll die Qualität eines Journals gemessen werden: Je höher der Impact-Factor, desto einflussreicher und angesehener ist die jeweilige Fachzeitschrift. Dieses Bewertungssystem birgt, bei allen Vorteilen, jedoch auch Gefahren: So kann Missbrauch, z. B. durch Selbstzitierung, die Folge sein, und, ein anderer Kritikpunkt: Was oder was nicht also wahr und wichtig ist, bestimmt sich danach, was als solches wahrgenommen wird. Die Frage ist letztendlich, wie wissenschaftliche Qualität gemessen werden kann - eine Frage, auf die der Impact Factor eine gute, aber nicht die letzte Antwort sein kann.

Quellen: