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Jürgen Beine
Thesen: Wikis als Herausforderung für die Geschichtswissenschaft


Sicherung der Version mit Fußnoten!


Dieser Beitrag erörtert nicht die informationswissenschaftlichen Funktionalitäten von Wikis und ihre möglichen Anwendungsgebiete im Bereich der Geschichtswissesnchaft. Er betont vielmehr die zentrale Bedeutung der Wikipedia für die geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wikis und versucht zu zeigen, dass die Wikisource als System für die Edition von Quellen Standards etabliert hat, die als Ausgangspunkt für eine weitergehende Konzeption von Quelleneditionen dienen können.

 

 

 


Wikipedia als Initialzündung

Einige wenige Zahlen

Zahl der Wikipedianer und Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia 2002-2009

Datum Wikipedianer Artikel
Aug. 2009 82209 963.000
Jul. 2006 31136 443.000
Jan. 2004 1415 47.000
Jan. 2002 18 934

Quelle: http://stats.wikimedia.org/EN/TablesWikipediaDE.htm, Abrufdatum: 7.10.2009 -
Warum sich die obigen Zahlen von den aktuellen Zahlen der Webseite (2.12.2009) unterscheiden, muss aktuell offen bleiben.

 

Innerhalb weniger Jahre ist das digitale Gemeinschaftsprojekt "Wikipedia" zur größten Enzykolpädie der Welt avanciert. Es hat in den TOP- Internetadressen neben Google, YouTube und einigen weiteren Sites seinen festen Platz.<ref>Günter Schuler: Wikipedia inside. Die Online-Enzyklopädie und ihre Community, Münster 2007, S. 23f.</ref>

 

Periodisierung: Geschichtswissenschaft und Wikipedia

  • Bis ca. 2005/06 ist die Geschichtswissenschaft der Wikipedia mit großer Skepsis begegnet. Davon zeugt beispielsweise die Rezension von Björn Hoffmann aus dem Jahr 2005.<ref>Siehe die kritische Rezension zu den Stichworten "Historikerstreit", "Inverstiturstreit" und "Merkantismus" aus dem Jahre 2005 in: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-3-017, 7.10.2009, siehe dazu auch die zurückhaltende Einschätzung von Jan Hodel: http://weblog.histnet.ch/archives/106, 7.10.2009</ref> Sein Fazit: "Zu einer brauchbaren Textqualität zumindest im geisteswissenschaftlichen Umfeld scheint allerdings noch ein weiter Weg zu sein, der Einsatz im universitären Umfeld ist nur dann anzuraten, wenn man zugleich die Mühe und Zeit auf sich nehmen möchte und kann, die Fehler und Ungenauigkeiten der Textsubstanz gleich auszubessern ..."
  • Nach 2006 öffnet sich die Geschichtswissenschaft der Wikipedia in vorsichtiger Form.

und Literatur in Mainz (AdWM) die Zedler-Medaille verliehen., S. 10</ref>). Insbesondere achtet die Wikipedia nunmehr auch verstärkt auf Belege in den Artikeln.<ref>Aus der umfangreichen Debatte über die Qualität der Wikipedia und das Qualitätsmangement: der Freitag, 5.11.2009 (Jens Berger: "Das Netz braucht keine Türsteher" sowie Friedhelm Geis: "Hier lösche ich, ich kann nicht anders"). Allgemein zum Thema Glaubwürdigkeit: http://www.philipp-nordmeyer.de/uni/geschichte/NordmeyerPhilipp%20-%20Wie%20glaubwuerdig%20ist%20Wikipedia.pdf</ref>

 

 

Wikipedia als Initialzündung

Die Wikipedia hat im Bereich der Geschichtswissenschaft auch deshalb als Initialzündung gewirkt, weil Studierende in immer stärkerem Maße die Enzyklopädie in Referaten und Seminararbeiten verwendet haben. Auf diese Weise hat sich für Historiker zumindest implizit eine Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit dieser Online-Enzyklopädie eingestellt. Gleichzeitig hat mit der "Wikipedistik" die (geschichts-)wissenschaftliche Beschäftigung mit der Wikipedia eingesetzt.<ref>Siehe dazu Haber, ....</ref>

 

Quelleneditionen in Wikisource. Eine geschichtswissenschaftliche Herausforderung?

"Wikisource setzt auf eine möglichst originalgetreue inhaltliche Wiedergabe des Textes der Vorlage, Normalisierungen und Anpassungen an die derzeit gültige Rechtschreibung haben zu unterbleiben. Anpassungen in der Form werden minimiert."<ref>http://de.wikisource.org/wiki/Wikisource:Editionsrichtlinien</ref> Als Schwesterprojekt der Wikipedia ist die Wikisource ist also ein System zur kollaborativen Bearbeitung von "Textquellen".<ref>Siehe dazu "Webbasierte kooperative Editionsverfahren am Beispiel Wikisource", http://www.finanzer.org/blog/index.php/category/wikimedia/wikipedia-academy-2007/</ref>

Prinzipien der Edition einer Quelle in Wikisource<ref>Die folgende Zusammenstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie basiert auf dem Beitrag von Michail Jungierek über "Webbasierte kooperative Editionsverfahren am Beispiel Wikisource" und den eigenen Erfahrungen bei der Edition historischen Quellenmaterials in Wikisource.</ref>

 

 

Wikisource als wissenschaftlich fundiertes Qualitätsprodukt?

Wikisource bietet die Möglichkeit, wissenschaftlich fundiert Quellen zu edieren und zu erschließen.

Wikisource ist eine wichtige Ergänzung zur Wikipedia, kann sie doch als Beleg für Behauptungen und Aussagen in enzyklopädischen Artikeln fungieren.

Die Frage der Wissenschaftlichkeit der Wikisource stellt sich bei diesem Produkt anders als bei der Wikipedia. Weil die Wikisource stets einen Scan der Orginalquelle vorhält, ist eine intersubjektive Überprüfbarkeit der geleisteten Transkription stets möglich.

Inwieweit die Wikisource ein geeingetes Wiki für die Edition von umfangreicheren thematisch fixierten Quellenbeständen darstellt, ist m.E. insbesondere von drei Faktoren abhängig.

  • Über Kategorien und Portale muss eine systematische Erschließung des Quellenbestandes sichergestellt werden. Dies bedeutet konkret, dass im Rahmen eines Portals eine Einleitung den (nicht notwendig in sich abgeschlossenen) Quellenbestand vorzustellen hat und insbesondere seine Relevanz für die Wissenschaft (Lehre und Forschung) zu begründen hat.
  • Es muss eine (Im- und Export-)Schnittstelle zu editionswissenschaftlichen Standards, insbesondere zu TEI-Lite<ref>http://www.tei-c.org/Guidelines/Customization/Lite/</ref>, vorhanden sein, um über XML Daten mit anderen Systemen austauschen zu können.
  • Für die Einhaltung wissenschaftlicher Standards sind Verantwortlichkeiten systematisch zu begründen. Dies kann beispielsweise erfolgen durch entsprechende Beobachtungslisten und damit korrespondierenden administrativen Eingriffen.

 

 

Zusammenfassung

Eine zentrale geschichtswissenschaftliche Herausforderung besteht darin, methodische Konzeptionen dafür zu entwickeln, wie existierende oder neu zu entwerfende Wiki-Systeme in Forschungs-, Lehr- und Lernprozessen integriert werden können. Dabei sollte an konkreten historischen Themenkomplexen insbesondere überprüft werden, ob und inwieweit durch eine geschichtswissenschaftlich fundierte Quellenedition in Wikisource ein internationales Netzwerk nachhaltig begründet werden kann.

 

 

Anmerkungen

<references />




Präsentation: media:beine_wikis_als_herausforderung.pdf

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