Kollaboratives Schreiben mit ICT: Unterschied zwischen den Versionen

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== Vorläufer ==
 
== Vorläufer ==
Es gab schon ICT-gestütztes kollaboratives Schreiben vor Blogs und Wikis. Damit sind nicht nur die bereits erwähnten und noch heute weit verbreiteten  Praktiken der gemeinsamen, sequentiellen Bearbeitung von digitalen Textverarbeitungsdokumenten ([[Kollaboratives Schreiben#|Versioning]]) gemeint, sondern auch verschiedene vernetzte ICT-Werkzeuge zum kollaborativen Verfassen von (Hyper-)Texten.
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ICT-gestütztes kollaboratives Schreiben ist nicht erst mit Blogs und Wikis erfunden worden. Damit sind nicht nur die bereits erwähnten und noch heute weit verbreiteten  Praktiken der gemeinsamen, sequentiellen Bearbeitung von digitalen Textverarbeitungsdokumenten ([[Kollaboratives Schreiben#|Versioning]]) gemeint. Es gab auch [[Vorläufer zum ICT-gestützten kollaborativen Schreiben]] von (Hyper-)Texten. Dazu gehört das Online-System NLS von Doug Engelbart, dem Erfinder der Comptermaus, sowie frühe Webplattformen für gemeinsames Publizieren wie Slashdot oder Kuro5hin.
 
 
 
 
=== Engelbart und NLS ===
 
 
 
Bereits 1968 hatte der Computer-Pionier [http://en.wikipedia.org/wiki/Douglas_Engelbart Douglas C. Engelbart] auf einer [http://en.wikipedia.org/wiki/The_Mother_of_All_Demos mittlerweilen legendären Präsentation] das von ihm und seiner Crew entwickelte ICT-gestützte Informationssystem namens NLS (für [http://en.wikipedia.org/wiki/On-Line_System oNLine System]) vorgestellt. Die [http://sloan.stanford.edu./MouseSite/1968Demo.html Präsentation ist im Internet zugänglich], darin lässt sich sehen, wie Engelbart nicht nur verknüpfte Texte aufrufen und seinen Mitarbeitern zur Bearbeitung zur Verfügung stellen konnte. Man sah auch, wie er über eine Videokonferenz mit seinem Mitarbeiter Bill Paxton auf dem selben Monitor zeitgleich im System arbeiten und Dokumente verändern konnte. Als Eingabegerät benutzte er eine Maus: ein Gerät, das bislang unbekannt war und von Engelbart für die Arbeit mit NLS entwickelt worden war.
 
 
 
Engelbart war seiner Zeit weit voraus. Erst die verbreitete Nutzung von ICT, die durch den Internet-Boom der 1990er-Jahre eingeleitet wurde, ermöglichte die Popularisierung der von Engelbart vorgestellten Konzepte der Zusammenarbeit.
 
 
 
 
 
=== Slashdot ===
 
 
 
Der Durchbruch des Internet-Technologie löste einen neuen Schub von Versuchen aus, kollaboratives Schreiben zu ermöglichen. Eine wichtige Alternatvie zu den heute allgemein bekannten Blogs und Wikis ist die [[http://slashdot.org Slashdot Slashdot-Plattform]]. Sie wurde 1997
 
von [http://en.wikipedia.org/wiki/Rob_Malda Rob Malda] gegründet. Bei Slashdot können Artikel eingereicht werden, die von Editoren (ca. ein Dutzend, ausser Rob Malda sind Jeff Bates und Rob Miller bekannt) auf der Website veröffentlicht werden. Anschliessend können die weiteren Mitglieder von Slashdot Kommentare oder Ergänzungen zu den Artikeln schreiben. Dabei können die Mitglieder in einem komplizierten Punktierungssystem die Kommentare bewerten und damit die guten Kommentare in der Anzeige weiter nach oben und die schlechten weiter nach unten befördern. Wessen Kommentare besonders gut bewertet werden, kann zu einem Moderator/ einer Moderatorin werden. Diese Personen erhalten zusätzliche Rechte und mehr Gewicht beim Bewerten der Kommentare.
 
 
 
Dieses System der Bewertung und der damit verbundenen Möglichkeit, in einer Gemeinschaft zu besonderer Bedeutung aufzusteigen, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Einerseits wenden Moderator/innen ihre zusätzlichen Rechte missbräuchlich an. Andererseits wird die Rolle der Editoren kritische hinterfragt, da deren Auswahl zuweilen willkürlich oder einfach schlecht aufeinander abgestimmt erscheint.
 
 
 
 
 
=== Kuro5hin ===
 
 
Einige enttäuschte User wechselten zur Plattform [http://www.kuro5hin.org Kuro5hin], die 1999 von [http://en.wikipedia.org/wiki/Rusty_Foster Rusty Foster] ins Leben gerufen wurde. Auf Kuro5hin können alle registrierten Benutzer/innen Artikel in eine Warteschlange einstellen, wo sie von den anderen Mitgliedern bewertet werden. Je besser ein Artikel bewertet wird, desto weiter rückt er in der Warteschlange vor, bis er auf der Hauptseite der Website erscheint. Die Artikel werden von den anderen Mitgliedern kommentiert, oft mit dem Ziel, den Autor/innen Hilfen zu geben, ihren Beitrag zu verbessern. Zu diesem Zweck gibt es auch Phasen, in welchen die Verfasser/innen ihre TExte überarbeiten können und keine Bewertung durch Mitglieder der Plattform möglich ist.
 
 
 
 
 
=== everything2 ===
 
 
 
Eine Variante des Slashdot-Konzeptes ist das Enzyklopädie-Projekt [http://www.everything2.com everything2.com], das von den Slashdot-Editoren ins Leben gerufen wurde.
 
  
 
== Blogs ==
 
== Blogs ==

Version vom 17. Februar 2006, 18:36 Uhr

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Vorläufer

ICT-gestütztes kollaboratives Schreiben ist nicht erst mit Blogs und Wikis erfunden worden. Damit sind nicht nur die bereits erwähnten und noch heute weit verbreiteten Praktiken der gemeinsamen, sequentiellen Bearbeitung von digitalen Textverarbeitungsdokumenten (Versioning) gemeint. Es gab auch Vorläufer zum ICT-gestützten kollaborativen Schreiben von (Hyper-)Texten. Dazu gehört das Online-System NLS von Doug Engelbart, dem Erfinder der Comptermaus, sowie frühe Webplattformen für gemeinsames Publizieren wie Slashdot oder Kuro5hin.

Blogs

Blogs ist eine Abkürzung von Weblog. Der Begriff bezeichnet eine Website, in der in chronologisch umgekehrter Reihenfolge Einträge auf einer Web-Seite aufgeführt werden. Inhaltlich bewegen sich Blogs zwischen News-Ticker und Online-Tagebuch. Blogs sind in den USA schon seit einigen Jahren, im deutschen Sprachraum erst seit 2005 ein wichtiger Bereich des Webs. Dafür gibt es folgende Gründe:

  • Blogs sind technisch einfach zu eröffnen und zu betreuen: Einfacher als eigene Homepages, Websites oder gar Foren. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Gratisanbietern, bei welchen das Anlegen eines eigenen Blogs so einfach ist wie das Eröffnen eines Webmail-Accounts (z.B. Blogger, das vom Suchmaschinen-Betreiber Google gekauft wurde, oder twoday.net). Es gibt auch kostenlose Programme, die auf einem eigenen Web-Server installiert werden können (z.B. Wordpress). Die Struktur ist denkbar einfach, kein Blogger braucht sich über die Strukturierung seines Blogs Gedanken zu machen: Es ist einfache eine aneinandergereihte Menge Text. Und wenn die Autor/innen wollen, können sie die Leser/innen ihre Meinung zum Text kundtun lassen.
  • Blogs sind daher auch einfach zu starten und zu pflegen. Im Gegensatz zu Foren, Mailing-Listen oder Diskussionsgruppen kann ein Blog auch gut funktionieren, wenn nur eine Person sich um das Verfassen von Texten kümmert. Oft sind Blogs Referenzen für die Personen, die sie betreiben. Sie stellen ihr Wissen und ihre Kompetenz unter Beweis. Und doch ist es eine vergleichsweise informelle Form des Publizierens. In Blogs können auch Geistesblitze, einfache Hinweise aber auch unausgegorene Meinungen veröffentlich werden. Letzteres hat den Blogs den Ruf eines exhibitionistischen, narzisstischen Selbsdarstellungsmediums eingetragen.
  • Dennoch bieten Blogs ziemlich viel: Die Einträge können mit Links versehen und archiviert werden. Einträge können mit Tags kategorisiert und in Spezial-Spalten angezeigt werden. Die Technologie, die den Blogs zugrunde liegt, ermöglicht auch eine sehr schnelle Indizierung in spezialisiersten Suchsystemen wie beispielsweise technorati (neue Einträge können innerhalb von Stunden erfasst werden) und mit der neuen Möglichkeit des RSS (Rich Site Summary) kann man sich als Leser Inhalte nicht nur einfach zusammenfassen, sondern sich auch auf einfache Art Hinweise auf neue Einträge anzeigen lassen. RSS ermöglicht auch die Einbindung der Inhalte in andere Web-Seiten.

Die Schnelligkeit, Einfachheit und Formlosigkeit haben dazu geführt, dass Blogs ein wichtiges Mittel des Online-Journalismus geworden ist. Informationen via Blogs sind schnell verbreitet. Blog-Einträge von Augenzeugen haben 2005 ausserordentlich schnell ein Bild über das Ausmass der Terror-Anschläge in London ermöglicht. Ausserdem sind Blogs für Menschen in Ländern mit eingeschränkter Meinungsfreiheit oft die einzige Möglichkeit, ihre Ansichten und Erfahrungen kundzutun, oder ohne Angst vor Repressionen kritisch über Vorgänge und Zustände in ihren Gesellschaften zu berichten (vgl. http://hodel-histnet.blogspot.com/2005/10/aus-der-welt-der-blogs-ii.html).

Wikis

Wikiwiki ist hawaiianisch und bedeutet "schnell". Die Entwickler der Wiki-Technologie wollten eine schnelle und einfache Art, wie Inhalte im Internet gemeinsam (eben: kollaborativ) erstellt, ergänzt und entwickelt werden sollten.

Dabei ging es bei Wikis um einen neuen Ansatz, Inhalte zu erstellen: Statt vorgängiger Kontrollen, die über Berechtigungen gesteuert wurden, sollte jeder Änderungen anbringen können, diese aber auch zu verantworten haben. Jimmy Wales, Gründer des Wikipedia-Projekts, fasste es wie folgt zusammen: "The basic thing I think makes it work is turning from a model of permissions to a model of accountability. It isn't that you are allowed or not allowed to edit a certain thing; it's when you do it, that change is recorded, and if it's bad, people can see that."(1)

Wikipedia ist dabei ein Sonderfall. Aber einer, der sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Der Netzanalytiker Clay Shirky beschreibt die Funktionsweise von Netzpublikationen, die von Gruppen erstellt werden, mit folgenden Worten zusammen, die auch für Wikis gelten: "The order of things in broadcast is 'filter, then publish.' The order in communities is 'publish, then filter."(2) Wikis (und auch Wikipedia) sind ein Beispiel für Anwendung von Social Software, bzw. des web 2.0.

Social Software / web 2.0

Blogs, Wikis (inklusive Wikipedia) und allgemein die Möglichkeiten kollaborativen Schreibens mit ICT sind ein Beispiel für Anwendung von Social Software, bzw. allgemeiner des web 2.0.

Ausblick

writely.com


Kollaboratives Schreiben mit ICT in den Geschichtswissenschaften

Welchen Einfluss haben diese neuen Formen der kollaborativen Zusammenarbeit, bzw. des ICT-gestützten kollaborativen Schreibens auf den Forschungsalltag in den Geschichtswissenschaften? Der aktuelle Einfluss dürfte als marginal eingeschätzt werden. Das kollaborative Schreiben hat wenig Tradition in den Geschichtswissenschaften und ICT werden im Forschungsalltag noch immer vergleichsweise konservativ genutzt. Damit ist noch keine Aussage dazu gemacht, wie die Formen ICT-gestützten kollaborativen Schreibens wie Wikis und Blogs in anderen wissenschaftlichen Disziplinen sich im Alltag etabliert haben. CSCW als Werkzeug wissenschaftlicher Arbeit (sowohl in Forschung und Lehre) ist jedoch mit Sicherheit weiter verbreitet (vgl. Collaboratory und ICT-unterstützte gemeinschaftlicher Wissensaneignung). In den Geschichtswissenschaften ist die Bedeutung des Publizierens, des Schreibens und des kollaborativen Schreibens mittels ICT, wie überhaupt der Einfluss von Social Software und den Ansätzen des web 2.0 noch zu auszuloten. (siehe Kollaboratives Schreiben mit ICT in den Geschichtswissenschaften)

Literatur/Links

  1. Terdiman, Daniel: How wikis are changing our view of the world CNet News.com, 15.11.2005 (Zugriff vom 17.2.2006) http://news.com.com/2009-1025-5944453-3.html
  2. Shirky, Clay: Broadcast Institutions, Community Values (Zugriff 17.2.2006) http://www.shirky.com/writings/broadcast_and_community.html
  3. Gründerwiki (Zugriff 17.2.2006) http://www.wikiservice.at/gruender/wiki.cgi?WikiEinf%fchrung
  4. http://en.wikipedia.org/wiki/Slashdot
  5. http://en.wikipedia.org/wiki/Kuro5hin
  6. http://en.wikipedia.org/wiki/Everything2
  7. http://en.wikipedia.org/wiki/Blogs
  8. http://en.wikipedia.org/wiki/Wiki
  9. http://en.wikipedia.org/wiki/Web_2.0
  10. http://en.wikipedia.org/wiki/Social_software




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