Learning2.0

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Learning 2.0 ist ein Lernprogramm, das von Helene Blowers an der Public Library of Charlotte and Mecklenburg County (North Carolina) im Sommer 2006 aufgestellt wurde, um ihre BibliotheksmitarbeiterInnen zu motivieren, sich mit den neuen Diensten des Web 2.0 auseinanderzusetzen. Das Programm wurde in zahlreichen Bibliotheken übernommen, vorallem in Nord America und in Australien.

In Europa wurde bis jetzt das Programm in Holland, England und den skandinavischen Länder durchgeführt (Karte).

Helene Blowers hat ihm eine Folge gegeben Learning 2.1, die immer noch von ihren KollegInnen der PCMLC aktualisiert wird.

Im März 2008 erhielt sie eine Auszeichnung von der LITA (Library and Information Technology Association, einer Sektion der American Library Association) für ihr Engagement in der Bibliothekswelt. [1]

Das Projekt

Der Kontext

Die PLCMC ist ein grosses Netz von öffentlichen Bibliotheken im Charlotte Mecklenbourg County, das 24 Standorte zählt und mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Fachkompetenzen ihrer MitarbeiterInnen wurden im Jahre 2006 durch ein zweiteiliges Programm gefördert. Einerseits wurden technischen Kenntnisse vermittelt, die die MitarbeiterInnen in die Lage setzen sollten, ihre tägliche Arbeit effizienter zu erledigen (Core Competencies). Anderseits sollte der Umgang mit neu erscheinenden Technologien, und vorallem mit denen die kollektiv als "Web 2.0" bezeichnet werden, vertraut gemacht werden. Nach einem ersten Versuch eine klassische Lerhveranstaltung in Klassenräumen durchzuführen, wurde das Selbstentdeckungsprogramm Learning 2.0 entworfen. Mit dieser Ausbildungsform konnte eine grössere Anzahl an Mitarbeitende erreicht werden und die rasche Entwicklung der vorgestellten Produkte konnte auch besser berücksichtigt werden [2].

Das Programm

Das Programm erschien online in Form eines Blogs während 8 1/2 Wochen. Jede Woche war ein neues Thema vorgestellt mit entsprechenden Übungen, die "23 Things".

Jede/r MitarbeiterIn der PLCMC konnte mitmachen und wer es bis ans Ende schaffte, erhielt sogar eine Prämie.

Ausgangspunkt war ein Artikel von Stephen Abraham über 43Things gewesen. Von seiner Liste sind 23 "Dingen" gewählt und in kleinen Entdeckungsübungen umgewandelt worden. Jedes "Ding" wurde durch einen kleinen Text eingeführt und durch Bilder oder Videos illustriert, sowie durch Helene Blowers selber, dank einem Podcast, kurz kommentiert. Ein paar Links zur Vertiefung sowie Tips zur Erfüllung der Übung ("Discovery Resources") bilden die Anleitung zur Übung selber (“Discovery Exercise"). Die TeilnehmerInnen sollten dann über ihre neuen Erfahrungen immer einen kurzen Bericht in ihren persönlichen gegenbenfalls extra für das Programm erstellten Blog schreiben. Um beim Wettbewerb mitzumachen, sollten sie ihre Fortschritte zusätzlich auf einen Tracking Log auf dem Intranet der Bibliothek speichern.

Es war einen unerwarteten Erfolg : mehr als 350 MitarbeiterInnen sind ins Programm eingestiegen und haben einen eigenen Blog entworfen, 165 davon haben es auch abgeschlossen und wurden mit einem MP3-Spieler belohnt.

Eigenschaften

Unter den verschiedenen Produkten und Technologien, die eingeführt wurden kann man z.B. Flickr, RSS-Feeds, Librarything, Del.icio.us, Wikis und Podcasts zitieren. Eigentlich stehen nur wenige "Dinge" im direkten Zusammenhang mit den Bibliothekstätigkeiten, wie z.B. Thing 15, die Bibliothek 2.0-Debatte, oder Thing 22., das Herunterladen von Audiobooks.

Wirklich interessant am Programm sind aber nicht die Produkte, die den TeilnehmerInnen vorgestellt werden, sondern die Möglichkeit, die ihnen angeboten wird, die Gewohnheiten der zukünftigen und auch schon heutigen Informationsbenutzer kennenzulernen, für welchen Freizugänglichkeit, Partizipation und eine spielerische Art mit Daten umzugehen selbstverständlich sind. Ziel ist, dass die BibliotheksmitarbeiterInnen die Grundregeln dieser neuen sogenannten "Remix Kultur" verstehen und dabei auch mitmachen können.

Learning 2.0 entspricht natürlich auch diesen Kriterien :

Freizugänglichkeit

Learning 2.0 ist nicht nur frei brauchbar, es ist auch frei wiederverwendbar.

Das Programm wurde als Blog konzipiert und nur auf freien benutzbaren Produkten basiert, so dass alle Interessierten mitmachen konnten, allerdings ohne weitere Belohnung als ihre neuen Kenntnisse... Das gesamte Lernmaterial ist auf populären freien Webseiten gehostet, die die TeilnehmerInnen dann auch besser kennenlernen sollten. Die "externe" TeilnehmerInnen konnten ihre Fortschritte auf einer bereitgestellete Liste bei 43Things erfassen.

Zudem wurde das Programm unter Creative Commons lizensiert, so dass es auch in weiteren Bibliotheken wiederdurchführbar ist. Helene Blowers teilt in ihrem persönlichen Blog ihre Erfahrungen und ein paar "Benutzungshinweise" mit (Best practices; Steal-this-idea-update; De-PLCMC-izing the exercises).

Partizipation und Remix Kultur

Die Teilnehmer sollen aktiv mitmachen. Sie sollen einen Blog erstellen und pflegen, mit Bildgeneratoren spielen, eine eigene Suchmaschine kreieren, usw. Sie sollen aber auch die Erfahrungen ihren KollegInnen beobachten, ihren Blogs lesen und Kommentaren hinterlassen. Auf dem Learning 2.0 Blog selber sind manchmal auch Diskussionen entstanden (Beispiele : Thing 7, Thing 16).

Helene Blowers hat für ihr Lernprogramm nicht alles selber entworfen, sondern auf anderen Blogeinträgen oder Videos, die sich mit Web 2.0 befassen, verwiesen (Beispiele: Thing 8 : ein RSS-Tutorial, Thing 14 : ein Technorati-Video).

Sie liess ihr Blog auch von externen Beiträgen ergänzen, wie z.B. die Karte der Bibliotheken, die ein ähnliches Programm durchführen, die durch einer externen Bibliothekarin erstellt wurde und von derselben auch weiter aktualisiert wird [3].

Spielerische Art mit Daten umzugehen

Dieser Aspekt wurde immer wieder von Helene Blowers in ihrem persönlichen Blog aber auch in ihren Vorträge über Learning 2.0 als einer der wichtigsten Grundsätze ihres Lernprogramms betont [4] [5]. In Learning 2.1 steht dieser Grundsatz dann an vorderester Stelle.

In Learning 2.0 besteht das zweite "Ding" des Programms in der Entdeckung der Grundsätze des lebenslangen Lernens, deren letzter "Play!" heisst. Während des Programms wird dieser Rat immer wiederholt und es gibt sogar eine Play-Woche. Der Stil des Blogs ist selber eher witzig, das Lay-out könnte allerdings ein bisschen heiterer sein.

Erfolg und Stärke des Projekts

Das Projekt war nicht nur in der PCLMC einen grossen Erfolg aber auch ein weltweiter Erfolg. Es wurde in zahlreichen Artikeln und Blogseinträge kommentiert und auch wie schon erwähnt in zahlreichen Bibliotheken wieder durchgeführt. Eine Suche bei Google mit "Learning 2.0 23 Things" gibt mehr als 200'000 Ergebnisse !

Man kann folgende Stärke aufzählen:

  • Es ist für ein sehr breites Zielpublikum entworfen worden und auch so konzipiert, dass niemand sich abschrecken lässt. So sind die Übungen relativ einfach gestaltet und immer mit Anleitungen verbunden. Sie sollen nicht bewertet werden. Es gibt die Möglichkeit anonym mitzumachen, so dass man nicht plötzlich in die Öffentlichkeit auftreten muss.
  • Es ist eine kostengünstige Lösung : es braucht wenige Einrichtungen (keine Lerhveranstaltungen, keine zusätzliches Material oder Software).
  • Es ist an den eigenen Bedürfnisse jeder Institution anpassbar, sowohl was den Inhalt als den Schwierigkeitsgrad betrifft.
  • Es erhöht die Teamfähigkeit der Mitarbeitende, die darauf hingewiesen werden, sich gegenseitig zu helfen und untereinander zu kommunizieren.


Auf die Belohnungsprämie dürfte verzichtet werden, wenn dies als zu wenig seriös empfunden wird. Helene Blowers empfehlt sie zwar [6] aber erklärt auch, dass die TeilnehmerInnen sich mehr auf ihre neue Kenntnisse und Selbstvertrauen freuen als auf ein neues Gadget [7].

Das Programm ist allerdings in kleineren Bibliotheken schwieriger durchsetzbar : es verlangt doch gewisse Mitteln und Kompetenzen, die nicht immer zur Verfügung stehen. Ausserdem beruht es auf eine Mischung von Kooperations- und Konkurrenzverhältnisse, die in einer kleinen Gruppe nicht gleich entstehen können.

Das Lernprogramm bleibt aber weiterhin von Interesse, sogar für Einzelpersonen, wie es die immer noch besuchte Seite von 43Things bestätigt oder die Übersetzungen, die ausserhalb einer bestimmten Institution gemacht worden sind (Beispiele: auf Deutsch, auf Spanisch). Das Interesse geht auch über die Bibliotheken hinaus : das Programm wurde auch an Eltern empfohlen, die die Welt ihrer Kinder besser verstehen möchten [8]!

Heute wird sehr viel über das Thema "Bibliothek 2.0" gesprochen und geschrieben. Alle sind sich einig, dass Bibliotheken und BibliothekarInnen sich an die neue Informationswelt anpassen müssen. Das Projekt von Helene Blowers bildet ein konkreter Schritt in diese Richtung. Seine grosse Stärke ist das es nicht nur "2.0-artige" Beispiele vorstellt aber selber "2.0-artig" ist.

Literatur und Links

Zum Programm :

Blowers, Helene and Reed, Lori, "The C’s of Our Sea Change: Plans for Training Staff, from Core Competencies to LEARNING 2.0" in Computers in Libraries, Vol. 27, No. 2, Feb. 2007 [9]

Interview von Helen Blowers bei Michael Stephens

Helen Blowers bloggt über Learning 2.0

Ishizuka, Kathy, "Come Blog with Me: NC library encourages staff to play in 2.0 sandbox", in School Library Journal, 01.09.2006 [10]

Hanly, Beverly, "Public Library Geeks Take Web 2.0 to the Stacks", in Wired, 29.03.07 [11]


Zur Selbstentdeckungsmethode :

Darrow, Rob, "Do the 23 Things!", in The Big6 Newsletter, 2007, Vol. E8, 3 [12]


Weitere Erfahrungen mit dem Projekt in weiteren Bibliotheken (Beispiele) :

Abram, Stephen, "15 Minutes a Day: A Personal Learning Management Strategy", in Information Outlook, Feb. 2007 [13]

Hastings, Robin, "One library trains staff on the social tools users employ", Library Journal, 4/15/2007 [14]

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