Medien der Geschichte 21.04.2008

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Die Olympiade 1936 in Berlin - Leni Riefenstahls Film «Olympia»

Bilder

Literaturangaben

  • Alkemeyer, Thomas: Körper, Kult und Politik. Campus Verlag. Frankfurt/Main, 1996
  • Bernett, Hajo: Symbolik und Zeremoniell der XI. Olympischen Spiele in Berlin 1936. In: Sportwissenschaft 16, H.4, S. 357-397, 1986
  • Hoffmann, Hilmar: Mythos Olympia. Aufbau-Verlag. Berlin, 1993
  • Mandell, Richard: Hitlers Olympiade, Berlin 1936. Wilhelm Heyne Verlag. München, 1980

Filmausschnitte

Das Frauenbild im Nationalsozialismus

Grundlagentext: Die Wochenschau im NS-Kino

Definition Dokumentarfilm

Literaturangaben

Frauenbild im Nationalsozialismus

  • Siegele-Wenschkewitz; Leonore Stuchlik, Gerda(Hg.): Frauen und Faschismus in Europa. Centaurus Verlag. Pfaffenweiler, 1990
  • Wogowitsch, Margit: Das Frauenbild im Nationalsozialismus. Linzer Schriften zur Frauenforschung. Linz, 2004

Film im Nationalsozialismus

  • Albrecht, Gerhard: Nationalsozialistische Filmpolitik: Eine soziologische Untersuchung über die Spielfilme des Dritten Reichs. Enke-Verlag. Stuttgart, 1969
  • Kleinhans, Bernd: Ein Volk, ein Reich, ein Kino: Lichtspiel in der braunen Provinz. Papy-Rossa-Verlag. Köln, 2003
  • Zimmermann, Clemens: Medien im Nationalsozialismus: Deutschland 1933-1945, Italien 1922-1943, Spanien 1936-1951. Böhlau-Verlag. Wien, 2007

Audiovisuelle Medien (siehe auch die Diskussionsseite zu dieser Seite)

  • http://www.wochenschauarchiv.de/ [4 Ausschnitte aus Wochenschauen: Mobilmachung der Bevölkerung, Nachrichtenhelferinnen bei der Arbeit, Frauen in der Kriegswirtschaft und Heimarbeit zur Unterstützung der deutschen Kriegswirtschaft]
  • Guido Knopp: Hitlers Frauen (2 DVD's), ZDF 2004 Inhalt: Marlene Dietrich, Eva Braun, Zarah Leander, Magda Goebbels, Winifred Wagner
  • Guido Knopp: Hitler und sein Volk 1933-1939(Audio-CD), Berlin 2002

Bericht zur Sitzung

Die Olympiade von 1936 war in vielerlei Hinsicht ein Spektakel. Im Vordergrund unserer Sitzung stand allerdings die Medialität dieses Ereignisses. Indes scheint es mehr als nur zufällig, dass ausgerechnet zu diesem Thema unsere Medien streikten. So blieb uns die Möglichkeit in die thematischen Filme zu schauen, verwehrt. Ohne aber in eine Verschwörungstheorie abdriften zu wollen – diese nämlich ist erst Thema der nächsten Sitzung – konzentriere ich mich auf die funktionierenden Aspekte der Sitzung vom 21. April 2008. Das Referat zur Olympiade 1936 nahm in erster Linie Bezug auf den Olympia-Film von Leni Riefenstahl. Dieser Film ist nicht nur auf Grund seiner Innovativität bekannt. Leni Riefenstahl nämlich war auch für ihre Nähe zum Nationalsozialismus bekannt, die sie selbst aber immer abgestritten hat. Sie sei rein am Ästhetischen interessiert und politisch desinteressiert gewesen. Deshalb, und nur deshalb hätte sie diesen Film auch so gedreht. Die Tatsache aber, dass man den Film auch als Zeitdokuments eines nationalsozialistischen Körperkults verstehen kann, weist Leni Riefenstahl von der Hand. Indes verwundert es, dass ihr finanzielle Mittel des Regimes zur Verfügung gestellt wurden, die es ihr ermöglichten, den Olympiafilm und andere Werke umzusetzen. Zur Analyse dieses Films und der Olympiade von 1936 müssen wir also auf verschiedenen Ebenen ansetzen: Zum einen betrachten wir die dem Film inhärenten Stil und Techniken. Diese können als künstlerisches Handwerk, aber auch als Instrument zur Machtdemonstration verstanden werden. Zum anderen dürfen wir auch die strukturalistische Sicht nicht ausser Acht lassen: die Finanzierung und Unterstützung des Films durch das NS-Regime, die Veröffentlichung des Films an Hitlers Geburtstag und die Gestaltung des Ereignisses der Olympiade selbst. Diese Fakten weisen darauf hin, dass der Olympiafilm nicht im reinen Dienste der Kunst und Ästhetik gestanden hat. Zu guter Letzt darf auch nicht vergessen werden, dass der Film eine Aufnahme eines Ereignisses ist, das seinerseits auch medial dargestellt wurde und diese Darstellungen gewissermassen verarbeitet. Dabei ist besonders zu erwähnen, dass die Olympiade von 1936 auch Mediengeschichte geschrieben hatte. Nie zuvor war eine Gleichzeitig, eine Omnipräsenz eines Ereignisses in dieser Art zu spüren. Erst nach eingehender Auseinandersetzung mit all diesen Aspekten können wir uns entscheiden, ob wir den Film als Medium des NS-Regimes und somit als Zeitdokument einer zerstörerischen Ideologie sehen wollen, oder aber als mediales Kunstwerk, das in einer unglücklichen Zeit geschaffen wurde. Einerseits greifen Leni Riefenstahls Darstellungen Bilder der Olympiade auf, setzen sie neu in Szene und gestalten eine neue Realität. Andererseits ist das Politische in diesen Bildern stets anwesend und scheint sich hinter dem Vorwand von Ästhetik & Technik zu verstecken. Mein persönlicher Eindruck allerdings ist, dass in der NS-Zeit nichts dem Zufall überlassen wurde – schon gar nicht die Kunst, die zu Recht als Reflexion der Medien betrachtet wird…

Die vernetzte, digitalisierte Welt bringt so einige Vorteile mit sich. Die Nachteile aber sind meist erst auf den zweiten Blick zu erkennen – wie das Protokoll der letzten Sitzung deutlich macht. Ein weiterer Nachteil besteht in der Verknüpftheit der Medien, die zur Folge hat, dass beim Ausfall des einen, auch das andere ausfällt… So hatte auch das zweite Referat auf Improvisation zu setzen. Im Zentrum dieses Referats stand das Frauenbild in der NS-Zeit. In einer patriarchalischen Gesellschaft, in der Stärke und Entschlossenheit von besonderer Bedeutung waren, kam jedem seine Aufgabe zu, die zur Stärkung des Reiches und zu dessen Ausdehnung beitragen sollte. Frauen waren indes dazu da, Nachschub zu garantieren. Expansions- und Umsiedlungspläne können nur umgesetzt werden, wenn genügend Menschen vorhanden sind – in diesem Sinne sollten auch die Frauen dem Dritten Reich dienen. So wurde vom NS-Regime ein Idealbild einer Familie konstruiert, die mindestens vier Kinder umfassen sollte, dafür aber auch auf staatliche Unterstützung zählen konnte. Trotz all dieser Bemühungen stieg die Rate der berufstätigen Frauen an. Vor allen Dingen im Verlauf des Krieges bemerkte die nationalsozialistische Regierung, dass es auf Frauen im Einsatz ausserhalb des Hauses nicht verzichten konnte. Insbesondere die Wochenschau diente dazu, Frauen zu zeigen, die im Einsatz waren und dennoch weiblich daher kamen. So sollte der Frau bewusst gemacht werden, dass auch sie voll und ganz im Dienste des Vaterlands stehen müsse und sich die Aufgaben, die sie zu erfüllen hätten, eben verändert hätten. Diese Bilder der Frauen wurden, je länger der Krieg dauerte, extremer: Während zu Beginn die Frauen im Büro gezeigt wurden, sah man sie später beim harten Anpacken von Holzpfählen, von unten gefilmt und heroisch dargestellt. Das Lächeln aber, das fehlte nie. Vielleicht aber war dies einer der Gründe, weshalb die Wochenschau, die zur gleichzeitigen Informierung von Stadt- und Landbevölkerung in den Kinos des Landes gezeigt wurde, unterging. Die Bilder – ob von Frauen oder vom Krieg – wurden immer unrealistischer. Die speziell entwickelte Methode, immer Neues zu zeigen, das nicht den nachrichtentypischen Stempel trägt, wurde allmählich zum Verhängnis. Obschon Kinos aufgekauft, eine Zensur für Spielfilme und obligatorische Programmvorgaben eingeschaltet wurden, die die Wochenschau immer auf dem Plan hatten, war das Desinteresse an der Wochenschau nicht aufzuhalten. Ein Propagandafehler also?

Insgesamt kann man anhand der beiden Beispiele Olympiade 1936 und Frauenbild in der NS-Zeit sehen, wie stark das Interesse an den Medien zur Bildung einer Öffentlichkeit vorhanden war. Die Propagandamaschinerie des Nationalsozialismus sah im Film, im Rundfunk, im Fernsehen die Möglichkeit, politische Botschaften im Unterhaltungsgewand zu verstecken. Dies zeigt den Versuch, eine durchdachte und bis ins Detail reichende Politisierung einer Gesellschaft zu erreichen. Inwiefern dies tatsächlich erreicht wurde, ist nachträglich schwer zu untersuchen. Es ist nicht ganz klar, wie man die Wirkung der Medien und auch deren Funktion bestimmen kann, vor allen Dingen dann nicht, wenn sie derart verpflichtend wirken, wie es in der NS-Zeit der Fall war. Aufgekaufte Kinos und Filmstudios, Gleichschaltung des Programms, Mitsprache bei der Wahl der Schauspieler/-innen vermitteln nicht gerade den Eindruck von Unterhaltung, doch viel mehr einer durch und durch politisierten Gesellschaft. Als der Kinosaal zum Propagandafeld wurde, blieb die Frage offen, ob die Botschaften noch ankamen. Vielleicht nämlich, wird die Macht an die Medien auch durch den Glauben an die Mächtigkeit der Medien erteilt…

Esther Furger


Zur »Deutschen Wochenschau«

Fraglos sahen die nationalsozialistischen Befehlshaber in der „Deutsche Wochenschau“ das bedeutendste Kriegspropagandamittel. Ein Krieg mit den Mitteln der filmischen Propaganda wurde dem Krieg mit Waffen als gleichbedeutend aufgefasst. Man erkannte die enorme Reichweite dieses Mediums und glaubte demzufolge auch an ihre Massenwirksamkeit. Die Wochenschau sollte einerseits als Bindeglied zwischen Führung und Volk dienen. Mit Dokumentationen aus der Reichskanzlei wurde Hitler der staunenden Bevölkerung aus nächster Nähe präsentiert. Es hatte die Aufgabe einer Stärkung der Heimatfront. Auf der anderen Seite sollte es dem Ausland die Stärke seines Gegners vor Augen führen, aber auch Überzeugungsarbeit und Werbung für das NS-Regime und seine Politik leisten. Folglich wurden Filmberichterstatter in die militärische Hierarchie integriert. Mit der Bildung von so genannten Propagandakompanien und deren Eingliederung in Heer, Luftwaffe und Marine, wollte man unter anderem erreichen, dass das Wochenschau-Publikum Bilder von der vordersten Front zu sehen bekommt. Mit Blick auf diese „militarisierten“ Berichterstatter im Zweiten Weltkrieg, erlangt die heutige Begrifflichkeit »embedded journalists« eine weitergehende Dimension. Die Kameraleute produzierten Bilder von Kriegsschauplätzen, die dann in der Redaktion zu einschlägigen Propagandafilmen für die Wochenschau zusammen geschnitten wurden. Hierfür wurden in der filmischen Aufbereitung keine Kosten gescheut. Bereits früh hat man versucht, Wochenschauen in Farbe herzustellen. Doch angesichts der technischen Schwierigkeit, diese dann im grösserem Umfang zu reproduzieren, wurde die Wochenschau vorwiegend in schwarzweiss ausgestrahlt. Nichtsdestoweniger ist die ästhetische Filmbearbeitung der Wochenschau als grundlegend für ein propagandistisches Gelingen angesehen worden. Mit musikalischer Untermalung wurde den bewegten Bildern ein Mehrfaches an Dramatik verliehen. Akteure und Handlung mussten zur dramaturgischen Spielfilm-Ästhetik der Wochenschau passen und nicht umgekehrt. Bilder, Ereignisse, die diesem Anspruch auf emotionale Spannungserzeugung nicht erfüllten, wurden weniger gewichtet oder vollständig weggelassen. Bedauerlich, wenn man bedenkt, dass die Wochenschau von der Bevölkerung stets auch als Informationsquelle Beachtung fand. Das erzeugen von Spannung und Sensation auf hohem Niveau war langfristig ein schwieriges Unterfangen. Zu Kriegsbeginn und mit anfänglichem Erfolg der Wehrmacht gelang es den Machern der Wochenschau diesen Anspruch noch einzulösen. Doch lassen sich Niederlagen schlechter als Siege verkaufen. Aus den Berichten des Sicherheitsdienstes geht hervor, dass vor allem die mangelnde Aktualität der gezeigten Ereignisse moniert wurde. Auch herrschte das Gefühl vor, dass tragische Ereignisse verschwiegen wurden. So verlor die Wochenschau im weiteren Verlauf des Krieges in den Augen der Bevölkerung ihre Glaubwürdigkeit und damit einhergehend auch ihre massenwirksame Bedeutung.

--Nikola Karadzic 20:16, 25. Mai 2008 (CEST)

Basierend auf: Hoffman, Kay: Der Mythos der perfekten Propaganda. Zur Kriegsberichterstattung der »Deutschen Wochenschau« im Zweiten Weltkrieg, in: Daniel, Ute (Hg.): Augenzeugen. Kriegsberichterstattung vom 18. Zum 21. Jahrhundert. Göttingen: 2006, S. 169-192.